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Fit for Tiny

Wohnen auf kleinem Raum

Sich verkleinern, effizienter, umweltfreundlicher und autarker werden – die Tiny House-Bewegung ist im vollem Gange. Minihaus-Siedlungen liegen im Trend. Neben der Kostenreduktion geht es bei der alternativen Wohnmöglichkeit vor allem um ein nachhaltiges Wohnen und Leben.

Anders leben
Wer will nicht so unbeschwert leben wie einst Peter Lustig, der bereits in den 1980er Jahren in der Kinderfernsehsendung Löwenzahn in einem ausgebauten Bauwagen sein Leben erfinderisch gestaltete und Jung und Alt in seine bunte, fröhliche Welt entführte und inspirierte. Klar, „das war doch nur eine Kindersendung“, werden die Einen sagen. Dennoch scheint diese Art zu leben – wenn auch minimalistisch – die Sehnsüchte vieler Menschen anzusprechen.

„Einfach gemeinsam leben“, so das Credo der Tiny-Fans. Dabei können Tiny Houses oder auch Mikro- und Minihäuser nicht nur ein Puzzleteil zur Lösung der Wohnungsnot sein. Es ist ein Trend, der Menschen die Möglichkeit gibt, sich individuell zu entfalten – losgelöst von der teils erdrückenden Menge von Dingen, die wir in unserem Leben so angehäuft haben. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Leben frei gestalten zukönnen – ein tiefgreifender, erfrischender Nebeneffekt. Die architektonischen Ideen zur gelebten neuen Bescheidenheit sind mannigfach – ästhetisch und praktisch zugleich.

Zeitgemäße Siedlungspolitik
In Deutschland gibt es umfassende rechtliche Voraussetzungen, die bei der Nutzung von Tiny Houses erfüllt sein müssen. Doch diese Hürden der bestehenden Wohn- und Bauvorschriften sind hoffentlich bald Vergangenheit und werden zeitnah, experimentierfreudig, zukunftsweisend angepasst. „Zu Gunsten des Lebens in mobilen Kleinwohnformen auf Flächen, die nicht als Baugrund ausgewiesen sind, aber weder landwirtschaftlich genutzt werden, noch einen besonderen Schutz der Natur erfordern“, so ist es bei engagierten Menschen zu lesen.

Die Small House Society, eine 2002 gegründete US-amerikanische Vereinigung, sind bereits gut vernetzt. Ihr Anliegen ist es, die Erforschung, Entwicklung und Nutzung kleinerer Wohnräume zu unterstützen, die nachhaltiges Wohnen von Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften weltweit fördern. Ein Lichtblick!

Fit for Tiny
Die Diskussion über die ökologischen, ökonomischen und psychologischen Folgen, die ein „übermäßiges Wohnen“ (excessive housing) für unser Leben mit sich bringt ist vielleicht neu und auch unbequem. Leben in einem Tiny-House bedeutet mit wenig Dingen zurecht zukommen. Hohe Effizienz, Sauberkeit und Ordnung sind unabdingbare Faktoren zur erfolgreichen Umsetzung.

Das Tiny House-Movement ist mit einem Downsizing bzw. „Gesundschrumpfen“ (Rightsizing) verbunden. Materiell zu entschlacken und die richtige Hausgröße für sein Leben und seinen Komfort zu finden, eine Herausforderung. Aber es lohnt sich! Wenn wir es nicht versuchen, können wir auch nicht erfahren, wie sich diese neue Wohnform anfühlt. Vielleicht ist es wie in der Fastenzeit: Keine Angst davor zu haben, auf etwas verzichten zu müssen, sondern sich darauf zu freuen, mit was man beschenkt wird!

Tipp: Experiment Tiny
Stellen Sie sich vor, dass Sie versuchsweise für drei Monate in ein Tiny House ziehen. Gehen Sie durch Ihre Wohnung. Welche Dinge würden Sie auf jeden Fall mitnehmen wollen?

Literatur-Tipp:
Mimi Zeiger: Neue winzig kleine Häuser. München 2012.
Ein tolles Buch, das zeigt, wie ästhetisch, praktisch und ökologisch Downsizing sein kann.

Aktuelle Tipps und Aufräum-Impulse finden Sie auch im Store und auf meinen Instagram-Seiten.

P.S.: Bitte beachten Sie: Aufräumen ist ein individueller Prozess. Welche Dinge in Ihrem persönlichen Umfeld verbleiben oder von welchen Sie sich trennen wollen, obliegt einzig und allein Ihnen.

Downsizing

Vom Größeren zum Kleineren

„Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck,“ singt die Liedermacherin Stefanie Kloß (Silbermond). Das macht Mut und liegt im Trend der Zeit! In jungen Jahren ist die Entscheidung, minimalistisch leben zu wollen eher eine Lebensphilosophie, im Alter jedoch wird es meist zur Notwendigkeit, sein Hab & Gut zu reduzieren.

Das eigene Haus oder die geräumige Wohnung kann besonders im Alter zu einer körperlichen, emotionalen und auch finanziellen Belastung werden. Das Wohnumfeld zu verkleinern und damit sich von liebgewonnen Dingen trennen zu müssen, empfinden die Betroffenen meist als unangenehme Veränderung und großen Einschnitt im Lebensalltag. Veränderungen im Leben zu meistern, sind für die meisten Menschen eine Herausforderung. Nicht nur im Alter fällt es schwer, vertraute Gewohnheiten zu verlassen und Neues zu wagen.

Ein Lebensabschnitt geht zu Ende, ein neuer Lebensabschnitt beginnt!
Weniger Platz bedeutet, weniger Gegenstände haben zu können und  den Besitz zu reduzieren. Im englischsprachigen Raum wird u.a. der Prozess der Verkleinerung Downsizing genannt. Ziel ist es, die eigene Wohnung oder das eigene Haus den veränderten Lebensbedürfnissen im Alter, einem altersgerechten Wohnen, anzupassen. Der Prozess des Downsizing hat somit eine viel treffendere Formulierung verdient: Rightsizing – ein Vorgang, der die Wohnsituation wohltuend an die Lebensumstände anpasst – das passende Maß, um das Leben angenehm zu machen.

Keine Angst haben, sich von Dingen zu trennen und Neues zu gestalten!
Bedenken Sie: ein Wohnumfeld, das Sie selbst in Ordnung und sauber halten können, gibt Ihnen auch im Alter ein gutes Gefühl der Unabhängigkeit. Eine der wichtigsten Regeln hierbei: die Dinge behalten, die im Leben „Freude machen“. Ob altersgerechte Möbel oder barrierefreie Walk-In-Dusche: gestalten Sie sich Ihre Wohnumgebung so, daß diese Ihnen gut tut und sie nicht überfordert. Dann haben Sie Zeit für die wesentlichen Dinge im Alter, können in ihrem individuellen Rhythmus das Leben genießen und mit „leichtem Gepäck“ reisen.

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P.S.: Bitte beachten Sie: Aufräumen ist ein individueller Prozess. Welche Dinge in Ihrem persönlichen Umfeld verbleiben oder von welchen Sie sich trennen wollen, obliegt einzig und allein Ihnen.

Minimalismus – Weniger ist mehr!?

Wieviel Dinge besitzen Sie?

In der bildenden Kunst ist Minimalismus als Kunstrichtung aus den 1960er Jahren bekannt, Minimalismus als Lebensweise ist ein eher jüngeres Phänomen. Dieser Trend hat 2017 weiter an Dynamik gewonnen, der sich gerade bei der jüngeren Generation verbreitet. Minimalismus ist eine Lebensweise. Es bedeutet mehr als nur Platz freizumachen und nur die wirklich benötigten Gegenstände zu behalten.
War das Ziel in der Kunst mit der „Minimal Art“ die absolute Identität der Form mit sich selbst ohne jede illusionistische assoziative Zutat zu schaffen, so könnte man im übertragenden Sinne den Minimalismus als Lebensstil bezeichnen, der durch bewußten Verzicht in unserer Konsumgesellschaft Platz und damit die Entfaltung für das Wesentliche im Leben schafft. Der Trend gibt den Anhängern die Freiheit, bewusst Entscheidungen zu treffen – Lebenssinn ohne Konsumzwang.

Wer viel hat, kann auch viel loslassen!
10.000 Gegenstände besitzt ein westeuropäischer Durchschnittsbürger, und es wird immer mehr. Kein Wunder, dass Menschen ihren Besitz zunehmend als Belastung erleben. Konzepte des Verzichts sind ein Luxusproblem: denn wer viel hat, kann auch viel loslassen. Durch Verzicht freier werden und zudem damit sozial und ökologisch sinnvoll und verantwortungsvoll zu handeln, ist kein neues Wissen, sondern bereits aus vergangenen Jahrhunderten bekannt. So wußte Franz von Assisi bereits im 13. Jahrhundert und mahnte: „Wenn jeder Einzelne darauf verzichtet Besitz anzuhäufen, dann werden alle genug haben.“
Wir brauchen materielle Dinge wie Nahrung, Kleidung oder Wohnung für unseren Komfort, unser Sicherheitsgefühl, zur Erfüllung unserer Grundbedürfnisse. Aber: meist besitzen wir mehr, als wir brauchen. Die Frage ist: wieviel Besitz brauchen wir, um glücklich zu sein? Wie minimalistisch wollen/ können wir leben?

Tipp zur Reflexion: Wieviel z.B. T-Shirts, digitale Endgeräte, Kugelschreiber oder Winterjacken besitzen Sie und wieviel brauchen Sie, um glücklich zu sein?

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